Das Herz

Es pumpt und pumpt und pumpt. Unglaubliche drei Milliarden Mal schlägt das Herz im Leben eines Durchschnittsdeutschen.

Unaufhörlich versorgt das Herz alle Zellen des Körpers mit sauerstoffreichem Blut, damit sie in Organen, Knochen und Muskeln ihre Funktion erfüllen können. Dabei ist das Herz selbst ein Muskel – ein Beutel, der innen hohl ist und von Blut durchströmt wird. Er zieht sich unablässig zusammen und dehnt sich wieder aus, jede halbe bis ganze Sekunde je nach Alter, Gesundheitszustand und augenblicklicher Belastung. Dabei pumpt er pro Minute fünf Liter Blut durch den Körper. Im Laufe eines Lebens sind das über 200 Millionen Liter.

Eine solche Leistung erbringt kein anderer Motor. Und das sogar ohne Wartung. Im günstigen Falle verrichtet er lebenslang treu seinen Dienst. Doch kann er im Lauf der Jahre schwächer werden, (zu) langsam pumpen, ins Stolpern kommen oder selbst nicht mehr ausreichend mit Kraftstoff versorgt sein. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den großen Volkskrankheiten und sind mit rund 40 Prozent die wichtigste Todesursache in Deutschland.

Nicht immer hat man es selbst in der Hand. Die Gene, verschiedene Erkrankungen oder natürliche Prozesse können dafür verantwortlich sein, wenn das Herz nicht mehr so arbeitet, wie es soll. Eine entscheidende Rolle spielt aber die Lebensweise – Ernährung, Bewegung, Rauchen, Stress. Die gute Nachricht dabei: Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation lassen sich etwa 80 Prozent der Herzerkrankungen durch einen gesunden Lebensstil und den Abbau von Risikofaktoren verhindern. Für eine herzgesunde Lebensweise ist es nie zu spät!

Die häufigsten Herz-Erkrankungen

Das Herz selbst muss mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden – über die Herzkranzgefäße. Diese können aber „verkalken“, sich dadurch verengen oder ganz verschließen. Dies äußert sich durch Engegefühle oder Schmerzen in der Brust (Angina Pectoris), die immer auch ein Alarmzeichen für einen Herzinfarkt sein können. Eine Arteriosklerose wird zunächst medikamentös behandelt; in einem fortgeschrittenen Stadium können die Engstellen von innen mit einem Katheter-Eingriff geweitet werden, sodass das Blut wieder ungehindert durch das Herzkranzgefäß strömen kann.

Der Herzinfarkt ist meist die Folge eines plötzlichen kompletten Verschlusses eines Herzkranzgefäßes. Häufige Ursache ist ein Blutgerinnsel, das sich in einem kranken Herzkranzgefäß bildet und dieses verstopft, sodass kein Blut mehr hindurchfließen kann. Typische Alarmzeichen sind starke, anhaltende Brustschmerzen, die in Arme, Schulterblätter, Unterkiefer oder Oberbauch ausstrahlen können, Atemnot, Schwächegefühl, Übelkeit und Todesangst. In solchen Fällen sollte umgehend der Rettungsdienst gerufen werden. Die Ärzte können mit einem Herzkatheter das verschlossene Gefäß schnell wieder öffnen und weiten, sodass das Herz wieder mit Blut versorgt und ein Absterben von Herzgewebe verhindert wird. Es gibt auch „kleinere“ Infarkte, die weitgehend unbemerkt verlaufen, bei denen aber dennoch Herzgewebe verloren geht. Eine Herzschwäche kann nach einem überstandenen Herzinfarkt die Folge sein.

Bei einer Herzinsuffizienz pumpt das Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper. Meist beginnt dies schleichend und äußert sich durch nachlassende Leistungsfähigkeit, Luftnot und Wassereinlagerung in den Beinen. Herzinsuffizienz ist oft Folge eines Herzinfarkts. Mit EKG und Ultraschall untersuchen die Ärzte die Ursachen; behandelt wird die Erkrankung meist mit Medikamenten. Wichtig ist es, auch die Ursache für die Herzschwäche zu behandeln, etwa eine Verengung der Herzkranzgefäße, eine Herzklappen-Erkrankung, Blutarmut oder Schlaf-Apnoe.

Vier Herzklappen lenken als Ventile den Blutstrom im Herzen. Sie können sich im Laufe der Jahre verengen oder nicht mehr richtig schließen. Die Folgen für den Patienten sind verminderte Leistungsfähigkeit und Luftnot. Mit Ultraschall lässt sich eine Herzklappenerkrankung recht sicher erkennen. Liegt ein Herzklappenfehler vor, kann durch eine Herzkatheter-Untersuchung geklärt werden, ob eine Operation nötig ist. Bei dieser werden defekte Klappen entweder repariert oder durch künstliche ersetzt. Das ist heutzutage aber immer häufiger auch ohne offene Operation möglich, sondern ebenfalls schonend mit Hilfe eines Herzkatheters.

„Herz-Stolpern“ ist weit verbreitet, meist harmlos – aber nicht immer. Es lässt sich gut mit einem EKG untersuchen. Bei behandlungsbedürftigen Störungen können Medikamente gegeben oder ein kleiner Impulsgeber unter die Haut implantiert werden, der durch Elektroden mit dem Herzen verbunden ist – bei verlangsamtem Herzschlag ein Herzschrittmacher, bei zu schnellem, unkontrolliertem Herzschlag ein Defibrillator. Mit Hilfe eines Herzkatheter-Eingriffs ist es möglich, Störherde im Herzen, von denen die „Fehlzündungen“ ausgehen, zu veröden.

Entzündungen des Herzens können an den Herzklappen (Endokarditis), am Herzmuskel (Myokarditis) oder am Herzbeutel (Perikarditis) auftreten.

  • Eine Endokarditis wird meistens durch Bakterien verursacht, die von außen in die Blutbahn eindringen, sich an den Herzklappen ansiedeln und diese sogar gänzlich zerstören können. Symptome sind Fieber, Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch eine mehrwöchige Antibiotika-Therapie im Krankenhaus. Manchmal heilt die Entzündung aus, oft muss aber die entzündete Herzklappe entfernt und durch eine künstliche Klappe ersetzt werden.
  • Eine Myokarditis wird meist durch Viren verursacht, etwa wenn eine stärkere Erkältung oder Grippe nicht auskuriert wird. Bei zu starker Beanspruchung, z.B. durch Sport, können die Viren dann das Herz befallen. Eine Myokarditis führt zu einer Herzschwäche unterschiedlich starker Ausprägung. In schweren Fällen muss das geschwächte Herz durch apparative Maßnahmen unterstützt werden. Die Entzündung kann aber ausheilen und die Herzleistung sich wieder normalisieren.
  • Eine Perikarditis wird ebenfalls häufig durch Viren ausgelöst, gelegentlich durch Bakterien. Sie kann zu einer Wasseransammlung im Herzbeutel führen, die das Herz so einengt, dass es zu einer Leistungsminderung bis hin zu Herzversagen kommen kann. In schweren Fällen muss die Flüssigkeit mit Hilfe einer Punktion des Herzbeutels abgelassen werden.

Angeborene Herzfehler wie ein Ventrikelseptumdefekt (VSD, Öffnung in der Scheidewand zwischen den beiden Herzkammern), ein Persistierendes Foramen Ovale (PFO, Öffnung zwischen den Vorhöfen), ein Atriumseptumdefekt (ASD, Defekt der Herzscheidewand im Vorhof) oder auch genetisch bedingte Fehlbildungen der Herzklappen müssen heute in vielen Fällen nicht mehr durch eine Operation am offenen Herzen behoben werden. Inzwischen behandeln viele Kardiologen diese Herzfehler mit einem schonenden Herzkatheter-Eingriff. Dabei wird ein dünnes biegsames Rohr von der Leiste durch die Schlagader zum Herzen geführt. An seiner Spitze befinden sich Mikro-Instrumente, mit denen der Kardiologe per Monitor-Kontrolle die Öffnung verschließen bzw. die defekte Herzklappe durch eine künstliche ersetzen kann.

Weitere Informationen

Ausführliche Informationen zum Herzen, seinen Erkrankungen und seiner Gesunderhaltung finden Sie im Internet-Portal der Deutschen Herzstiftung: www.herzstiftung.de