Schlaganfall-Behandlung

Stroke Units helfen Leben zu retten

In Thüringen gibt es ein dichtes Netz von Kliniken, in denen Schlaganfälle fachgerecht behandelt werden können. Stroke Unit ist eine Bezeichnung, die von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft an entsprechend ausgestattete Kliniken vergeben wird. Diese Schlaganfall-Zentren haben sich personell und apparativ auf die schnelle und umfassende Behandlung akuter Schlaganfälle spezialisiert.

Tele Stroke Units

Viele Kliniken in Thüringen, vor allem im ländlichen Raum, sind so genannte Tele Stroke Units. Sie sind so ausgestattet und telemedizinisch mit größeren Stroke Units vernetzt, dass Schlaganfall-Patienten dort rund um die Uhr fachgerecht erstversorgt und weiterbetreut werden können. Solche Kliniken sind in Thüringen im so genannten SATELIT-Netzwerk zusammengeschlossen.

Diagnose

In der Notaufnahme einer Stroke Unit oder Tele Stroke Unit ist stets ein Arzt dienstbereit, der sofort die Diagnostik per Computertomographie, Angiographie und Ultraschall vornehmen kann, um die Ursache des Schlaganfalls festzustellen und die betroffenen Gehirnareale zu identifizieren.

Notfallversorgung

Je nach Ursache muss ein Schlaganfall unterschiedlich behandelt werden:

Bei einem Gefäßverschluss im Bereich des Gehirns wird sofort versucht, die verschlossene Stelle durch ein Medikament aufzulösen, das als Infusionslösung in die Blutbahn verabreicht wird. Eine Thrombolyse sollte aber nicht später als viereinhalb Stunden nach den ersten Schlaganfall-Symptomen erfolgen, weil danach das Blutungsrisiko erheblich steigt. Durch Thrombolyse können rund 30 Prozent der Blutgerinnsel im Gehirn beseitigt werden.

Reicht eine Thrombolyse nicht aus, weil der Gefäßverschluss zu groß ist, kann in Stroke Units und inzwischen auch in einigen Tele Stroke Units zusätzlich ein Eingriff durchgeführt werden. Bei der Thrombektomie wird von der Leistengegend aus ein dünner Schlauch (Katheter) durch die Schlagadern bis zum Gehirn geführt. Mit diesem Katheter kann das Gerinnsel in rund 90 Prozent aller Fälle aus der Verschluss-Stelle herausgezogen werden.

Hirnblutungen als Schlaganfall-Ursache werden zunächst mit Medikamenten behandelt, die die Blutgerinnung verstärken und den Blutdruck senken. Sie werden direkt in die Blutbahn gegeben. Stroke Units sind jedoch darauf vorbereitet, dass in seltenen Fällen auch eine operative Öffnung der Schädeldecke erforderlich werden kann, um den zunehmenden Druck auf das Gehirn und somit zusätzliche Gehirnschäden zu reduzieren.

Überwachung rund um die Uhr

Nach der Notfallversorgung bleiben die Patienten zunächst auf der Stroke Unit bzw. auf der Intensivstation. Ihre lebenswichtigen Körperfunktionen wie Atmung, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Körpertemperatur und Blutzuckerspiegel werden rund um die Uhr auf Monitoren in der Stationsleitung überwacht. So kann bei erneuten Krisen sofort gehandelt werden. Bereits während der Monitoring-Phase werden Frühmobilisations-Maßnahmen eingeleitet, um Reparaturvorgänge im geschädigten Gehirn zu fördern. Dazu steht ein Team von Sprach-, Schluck- und Physiotherapeuten zur Verfügung. Nach zwei bis sechs Tagen können die Patienten in der Regel von den Monitoring-Betten in normale Krankenzimmer verlegt werden. Sobald wie möglich schließt sich, je nach Gesundheitszustand, eine stationäre, teilstationäre oder ambulante Rehabilitation an.