Hilfe im Notfall
Wer macht was? – Notfallstrukturen im Land Thüringen
Für die bestmögliche Versorgung kranker oder verletzter Notfallpatientinnen und -patienten arbeiten in Thüringen viele Beteiligte mit unterschiedlichen Aufgaben eng und in eingespielten Abläufen zusammen:
Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Der Ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen stellt die ambulante medizinische Versorgung sicher, wenn die Praxen niedergelassener Haus- und Fachärzte geschlossen sind – also in den Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende und an Feiertagen. Fast alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die gesetzlich Versicherte behandeln (d.h. die von der Kassenärztlichen Vereinigung zugelassen sind), sind zum ärztlichen Bereitschaftsdienst verpflichtet. Die Kassenärztliche Vereinigung organisiert den Bereitschaftsdienst, also welche Arztpraxis wann Notdienst hat. Patientinnen und Patienten können mit der Eingabe ihres Ortes oder ihrer Postleitzahl die nächstgelegene Bereitschaftspraxis im Internet finden unter:
bereitschaftspraxen.116117.de
Der Zahnärztliche Notdienst wird von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Thüringen organisiert:
www.zahn-notdienst-thueringen.de
Kassenärztliche Notfallpraxen
Kassenärztliche Notfallpraxen
In vielen Thüringer Städten gibt es feste Notfallpraxen, die von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben werden. Häufig sind sie an den örtlichen Krankenhäusern angesiedelt und kooperieren dann in der Regel direkt mit den Notaufnahmen. Das heißt, Patienten, die die Notaufnahme des Krankenhauses aufsuchen, werden dort zunächst eingeschätzt, wie dringlich die Behandlung ist. Im Falle leichterer Erkrankungen oder Verletzungen, die ambulant versorgt werden können, werden sie zur Kassenärztlichen Notfallpraxis weitergeleitet. Die Notfallpraxen sind mit Eingabe der Postleitzahl im Internet zu finden unter: bereitschaftspraxen.116117.de
Thüringer Krankenhäuser mit angeschlossenen Notfallpraxen zeigt die Thüringen-Karte auf der Startseite dieser Rubrik.
Leitstellen
Leitstellen
Integrierte Leitstellen (ILS) koordinieren die Einsätze von Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz. Alle Anrufe unter der Notrufnummer 112 laufen dort auf und werden bearbeitet und ggf. an die Einsatzteams weitergemeldet. Anrufer werden telefonisch unterstützt, was sie tun können, bis der Rettungsdienst eintrifft, z.B. durch Reanimationsmaßnahmen. Aktuell laufende Einsätze werden von der Leitstelle gelenkt, damit die richtigen Kräfte vor Ort sind und eventuell zusätzlich benötigte Hilfe schnell zur Stelle ist. Über das gesamte Land Thüringen verteilt gibt es 12 Zentrale Leitstellen (ZLS); Träger sind Landkreise, kreisfreie Städte und Zweckverbände der Rettungsdienste.
Rettungsdienste
Rettungsdienste
Die Notfallrettung vor Ort übernehmen in Thüringen die Berufsfeuerwehren und die Rettungsdienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), des Malteser Hilfsdienstes (MHD) und des Arbeiter Samariter Bundes (ASB), außerdem zum Teil auch private Rettungsdienstunternehmen. Sie beschäftigen Notfall- und Rettungssanitäter sowie Notärzte, sie unterhalten Rettungs- und Notarztwagen, Rettungshubschrauber und weitere Einsatzfahrzeuge, die Feuerwehren insbesondere auch Bergungs- und Löschfahrzeuge. Rettungsfahrzeuge sind mit allen erforderlichen Geräten für eine intensivmedizinische Versorgung ausgestattet. Hierzu zählen z.B. EKG mit Defibrillator und Herzschrittmacher, Beatmungsgerät, Absaugung, des Weiteren Notfallmedikamente und -materialien z.B. für Notgeburten, Verbrennungen oder die Bergung Schwerverletzter. Koordiniert werden die Rettungseinsätze von den Integrierten Leitstellen (ILS, s.o.). Für die Kosten von Rettungseinsätzen kommen die Krankenkassen auf, Patienten müssen einen Eigenanteil von 10 Prozent tragen, maximal aber 10 Euro.
Zentrale Notaufnahmen der Krankenhäuser
Zentrale Notaufnahmen der Krankenhäuser
Die Thüringer Krankenhäuser übernehmen in ihren Zentralen Notaufnahmen (ZNA) die Versorgung von Notfallpatientinnen und -patienten. Rettungswagen und Hubschrauber steuern von ihrem Einsatzort aus die nächstgelegene verfügbare ZNA an. Dort werden Notfallpatienten rund um die Uhr schnellstmöglich untersucht, behandelt und ggf. zur Beobachtung oder Weiterbehandlung stationär aufgenommen.
In den ZNA arbeiten Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Assistenzpersonal und Intensivpflegekräfte interdisziplinär zusammen. In der Regel verfügen Ärzte und Pflegekräfte über eine Zusatzqualifikation in Klinischer Akut- und Notfallmedizin bzw. Notfallpflege. Ein oder mehrere Schockräume für die sofortige Versorgung von lebensbedrohlichen Notfällen, etwa nach einem Unfall, Schlaganfall oder Herzinfarkt, stehen zur Verfügung. Diese sind mit allen erforderlichen medizintechnischen Geräten zur Erstversorgung und Lebensrettung ausgestattet.
Mit den Rettungsdiensten koordinieren sich die Krankenhäuser über digitale Systeme zur Patientenzuweisung. Sie melden darüber die aktuelle Auslastung ihrer ZNA. Die Teams der Rettungsfahrzeuge können so jederzeit sehen, welches nahegelegene Krankenhaus welche freien Kapazitäten (Betten, Behandlungsplätze) für unterschiedliche Notfälle (z.B. Schwerverletzte, Herzinfarkt-, Schlaganfall-Patienten) hat und daher angefahren werden kann.
Notaufnahmen stehen außerhalb der Sprechstundenzeiten von Arztpraxen auch Patientinnen und Patienten offen, die akute Hilfe benötigen und von sich aus das Krankenhaus aufsuchen. In der Notaufnahme erfolgt sowohl bei eingelieferten als auch selbstständig ankommenden Patienten zunächst eine medizinische Ersteinschätzung durch medizinisches Fachpersonal, die so genannte Triage (frz.: Auswahl, Sortierung). Das heißt, dass Patienten nicht nach ihrer Ankunftszeit, sondern nach Dringlichkeit behandelt werden. Schwere oder gar lebensbedrohliche Fälle haben immer Vorrang, andere Patienten müssen warten. Dies kann zu erheblichen Wartezeiten in den Notaufnahmen führen. Unter Umständen werden Patientinnen und Patienten bei der Triage auch auf geeignete ambulante Angebote wie haus- oder fachärztliche Behandlung verwiesen, wenn keine besondere Dringlichkeit festgestellt wurde.
Integrierte Notfallzentren (INZ) in Krankenhäusern
Integrierte Notfallzentren (INZ) in Krankenhäusern
Manche Krankenhäuser in Thüringen richten bereits in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Integrierte Notfallzentren (INZ) ein. Das bedeutet, dass der Notaufnahme eine Kassenärztliche Notfallpraxis angegliedert ist, meist im selben oder einem unmittelbar benachbarten Gebäude. Bereits bei der Ersteinschätzung (Triage) an einem gemeinsamen Empfangstresen werden Patienten mit weniger schweren Erkrankungen und Verletzungen, die ambulant behandelt werden können, direkt von der Kassenärztlichen Notfallpraxis übernommen. Nur schwere und lebensbedrohliche Fälle werden im Krankenhaus versorgt. Dies soll einer Überlastung der Krankenhäuser vorbeugen, da immer mehr Patienten mit leichten Erkrankungen die Notaufnahmen aufsuchen, insbesondere wenn sie keinen Haus- oder Facharzttermin bekommen konnten.
Weitere Infos: Kein Facharzttermin in Sicht – was tun?
Schlaganfall-Zentren (Stroke Units) der Krankenhäuser
Schlaganfall-Zentren (Stroke Units) der Krankenhäuser
In Thüringen gibt es ein dichtes Netz von Krankenhäusern, in denen Schlaganfälle in spezialisierten Zentren fachgerecht behandelt werden können. Stroke Units (engl. für Schlaganfall-Einheiten) haben sich personell und apparativ auf die schnelle und umfassende Behandlung akuter Schlaganfälle spezialisiert. Dazu arbeiten mehrere Fachabteilungen des Krankenhauses interdisziplinär eng zusammen – in kleineren Kliniken mit so genannten Tele Stroke Units auch mithilfe digitaler Unterstützung durch die Stroke Units des Helios Klinikums Erfurt, des Universitätsklinikums Jena und des Klinikums Altenburger Land. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie im Krankenhausspiegel Thüringen unter Schlaganfall-Versorgung.
Herzinfarkt-Zentren (Chest Pain Units) der Krankenhäuser
Herzinfarkt-Zentren (Chest Pain Units) der Krankenhäuser
Chest Pain Units (engl. für Brustschmerz-Einheiten) sind spezialisierte Notfallstationen in Krankenhäusern zur schnellen Untersuchung und ggf. Behandlung von Patientinnen und Patienten mit unklaren akuten Brustschmerzen. Ziel ist es, lebensbedrohliche Ursachen wie einen Herzinfarkt zu diagnostizieren und sofort eine entsprechende Behandlung wie Herzkatheter-Eingriff oder Bypass-Operation einzuleiten. Chest Pain Units sind meist Teil der Notaufnahme und rund um die Uhr einsatzbereit. Weitere Informationen finden Sie im Krankenhausspiegel Thüringen unter Herzkatheter-Anwendungen und Herz-Chirurgie.
Schwerverletzten-Zentren (Traumazentren) der Krankenhäuser
Schwerverletzten-Zentren (Traumazentren) der Krankenhäuser
Menschen mit schweren Verletzungen, etwa nach Unfällen, müssen schnell im Krankenhaus versorgt werden. Um dies sicherzustellen, haben zahlreiche Kliniken mit unfallchirurgischen Abteilungen so genannte Traumazentren eingerichtet und sich regional zu Traumanetzwerken zusammengeschlossen (von altgriechisch „Trauma“ = Wunde). Im Freistaat Thüringen gewährleistet das Traumanetzwerk Thüringen die schnelle und hochwertige Versorgung von Schwerverletzten. Ausführliche Informationen finden Sie im Krankenhausspiegel Thüringen unter Versorgung von Schwerverletzten.
Brandverletzten-Zentren der Krankenhäuser
Brandverletzten-Zentren der Krankenhäuser
In Brandverletzten-Zentren spezialisieren sich Krankenhäuser auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schweren Verbrennungen und Verbrühungen. In Thüringen gibt es mit dem Versorgungszentrum für brandverletzte Kinder am Helios Klinikum Erfurt ein solches Zentrum. Erwachsene mit schweren Brandverletzungen werden umgehend zu den Zentren in Halle, Leipzig oder Nürnberg geflogen.

















